Bloodlines
Jahr: 2026
Werk: Room Installation | Mixed Media
Sprecher: Mira, Susana, Antonio, Edelmiro
Eine raumgreifende Installation zum Thema Frauenrechte und strukturelle Gewalt. Die Arbeit verbindet historische Erinnerung mit gegenwärtiger Kritik und macht hörbar, wie sprachliche Gewalt die Grundlage physischer Gewalt bildet.
Ein glimmender Scheiterhaufen. Darauf Sprüche, die Frauen seit Jahrhunderten zum Schweigen bringen wollten. Darunter: Stimmen aus vier Sprachen, die dieselben Sätze wiederholen – aus Religion, Politik, Geschichte, Alltag. Die Installation macht sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: Wie Gewalt gegen Frauen in Worten beginnt, bevor sie in Taten endet.
Vor dir steht ein künstlicher Scheiterhaufen. Er brennt nicht – er glimmt. Eine schwache, beharrliche Glut, die nicht erlischt und nicht aufflammt. Auf den Holzscheiten stehen Sätze, die Frauen jahrhundertelang zugemutet wurden:
„Die Frau sei dem Manne untertan“ / „You are a walking mortal sin“/ „Wo Frauen regieren, herrscht der Teufel“/ „La donna è la causa del peccato originale“/ „A mulher deve obediência ao marido“/ „Women are the devil’s gateway“/ „El marido es el jefe de la sociedad conjugal“ / „Toute l’éducation des femmes doit être relative aux hommes“
Diese Worte stammen aus unterschiedlichen Kontexten: aus religiösen Texten, aus politischen Reden, aus der Geschichte der Hexenverfolgung, aus dem alltäglichen Sexismus. Manche sind alt, manche überraschend neu. Alle haben eines gemeinsam: Sie wollten Frauen klein machen, zum Schweigen bringen, kontrollieren.
Ein Klangteppich aus Stimmen, die diese und ähnliche Sätze sprechen – auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Italienisch. Keine einzelne Stimme erhebt sich über die anderen. Sie überlagern sich, wiederholen sich, verstärken sich. Manchmal versteht man ein Wort, manchmal nur den Rhythmus der Unterdrückung. Die Mehrsprachigkeit zeigt: Das Problem ist nicht kulturell begrenzt. Es ist strukturell.
Der Scheiterhaufen ist historisch der Ort, an dem „unbotmässige“ Frauen verbrannt wurden. Hier brennt er nicht – aber er erinnert. Die glimmende Glut steht für das, was nie ganz erloschen ist: die Idee, dass Frauen weniger wert sind, dass ihre Stimmen weniger zählen, dass ihre Körper kontrolliert werden dürfen. Die Installation lädt ein, hinzuhören. Und dann: nicht wegzuhören.
An immersive, large-scale installation addressing women’s rights and structural violence. The work bridges historical memory and contemporary critique, revealing how linguistic violence serves as the foundation for physical violence.
A smoldering pyre. Upon it, phrases that have been used for centuries to silence women. Beneath it, voices in four languages repeat these same lines – drawn from religion, politics, history, and everyday life. The installation makes visible what often remains unseen: how violence against women begins in words before it culminates in acts.
Before you stands an artificial pyre. It is not ablaze – it is smoldering. A faint, persistent glow that neither dies out nor flares up. Inscribed on the logs are phrases that have been inflicted upon women for centuries:
„Die Frau sei dem Manne untertan“ / „You are a walking mortal sin“/ „Wo Frauen regieren, herrscht der Teufel“/ „La donna è la causa del peccato originale“/ „A mulher deve obediência ao marido“/ „Women are the devil’s gateway“/ „El marido es el jefe de la sociedad conjugal“ / „Toute l’éducation des femmes doit être relative aux hommes“
These words originate from various contexts: religious texts, political speeches, the history of witch hunts, and everyday sexism. Some are ancient; others are surprisingly recent. All share a common purpose: to diminish, silence, and control women.
A soundscape of voices recites these and similar phrases – in German, Spanish, English, and Italian. No single voice rises above the rest; instead, they overlap, repeat, and amplify one another. At times, individual words can be discerned; at other times, one perceives only the rhythm of oppression. This multilingual approach demonstrates that the problem is not confined to any single culture. It is structural.
Historically, the funeral pyre is the place where „insubordinate“ women were burned. Here, there is no fire – but there is a reminder. The smoldering embers represent something that has never been fully extinguished: the idea that women are of less value, that their voices count for less, and that their bodies may be controlled. The installation invites us to listen – and, having listened, to refuse to look away.
Ein Kleiderständer. Weisse Kleider. Metallbügel, an denen Blut haftet. Die Umkehrung des „Roe vs. Wade“-Urteils im Juni 2022 hat eine Debatte neu entfacht, die nie wirklich verstummt war. Diese Installation geht zurück an den Anfang – zu den Frauen, die vor 1973 verzweifelt nach Auswegen suchten, wenn das Gesetz ihnen keine liess. Zu den Kleiderbügeln, die in dunklen Küchen, in Hinterzimmern, in Verzweiflung zum Einsatz kamen. Zu den weissen Kleidern, die nie getragen wurden.
Die Geschichte der Abtreibung ist keine einfache. Sie ist verwoben mit Gesetzen, die Körper kontrollieren wollen. Mit politischen Kalkülen, die über Gebärmütter entscheiden. Mit kirchlichen Dogmen, die Schuld predigen, wo Hilfe gebraucht wäre. Jede dieser Kräfte hat Spuren hinterlassen – in Gesetzen, in Stigmata, in Schweigen.
In den Schubladen des Kleiderständers liegen Informationsblätter. Geschichte, Fakten, Stimmen. Denn Erinnerung ist Widerstand. Und Wissen ist der erste Schritt, der zurückführt – nicht zu dem, was war, sondern zu dem, was sein muss: das Recht auf Selbstbestimmung.
A garment rack. White dresses. Metal hangers, stained with blood. The overturning of the „Roe v. Wade“ ruling in June 2022 reignited a debate that had never truly fallen silent. This installation reaches back to the beginning – to the women who, before 1973, desperately sought a way out when the law offered them none. To the coat hangers used in dim kitchens and back rooms, born of sheer desperation. To the white dresses that were never worn.
The history of abortion is not a simple one. It is intertwined with laws that seek to control bodies; with political calculations that dictate what happens to wombs; with religious dogmas that preach guilt where help is what is needed. Each of these forces has left its mark – in legislation, in stigma, and in silence.
In the drawers of the garment rack lie informational leaflets: history, facts, and voices. For remembrance is a form of resistance. And knowledge is the first step—a step that leads us not back to what once was, but toward what must be: the right to self-determination.