Siamo Stranieri

Jahr: 2026
Werk: Videoinstallation / Mixed Media
Schauspieler: Salvatore Bisanti, Damiano Saputo, Samuel Giurgola und Nicola Dimola
Hauptsponsor: Druckerei Ledergerber, Glattbrugg

 

Die Schweiz durchlief seit den 1960er-Jahren tiefgreifende Veränderungen in ihrer Migrationspolitik und im Umgang mit Ausländerfeindlichkeit. Die Entwicklung war geprägt von wirtschaftlichem Bedarf, politischen Debatten, Volksinitiativen und gesellschaftlichen Spannungen. Die Schweiz steht auch 2026 weiterhin vor der Herausforderung, wirtschaftliche Interessen, humanitäre Verantwortung und nationale Identitätsfragen in Einklang zu bringen. Gesellschaftlich gibt es Fortschritte in Sachen Integration und Diversität, aber rassistische und fremdenfeindliche Diskurse bleiben präsent.

Der Stammtisch ist ein fester Bestandteil der mitteleuropäischen Kultur. Der Begriff leitet sich von «Stamm» (feste Gruppe) und «Tisch» (gemeinsames Sitzen) ab und steht für Geselligkeit, Austausch und Gemeinschaft. Während der Stammtisch in der Schweiz besonders tief verwurzelt ist, existieren ähnliche Traditionen weltweit, wenn auch unter unterschiedlichen Namen und Bräuchen.

Die Schweizer schätzen den Stammtisch als Ort des unverbindlichen Austauschs – hier wird über Politik, Sport, Alltagsprobleme oder einfach nur über das Leben geplaudert, ohne dass formelle Strukturen im Vordergrund stehen. Viele traditionelle Wirtshäuser werden heute zu Restaurants mit schnellem Service, wo langes Verweilen unerwünscht ist. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft sehnen sich viele nach echten zwischenmenschlichen Kontakten. Der Stammtisch bietet einen geschützten Raum für Gespräche ohne Leistungsdruck – anders als etwa Networking-­Events. In der Schweiz, wo der Stammtisch tief in der Kultur verankert ist, wird er wahrscheinlich länger überdauern als in Ländern, wo er weniger institutionalisiert ist. Dennoch muss er sich weiterentwickeln, um relevant zu bleiben.

In diesem Werk wird ein digitaler Stammtisch dargestellt. Nostalgie trifft Digitalisierung, Urschweizer Tradition und Migration vereint am gleichen Tisch. Vier italienische Gastarbeiter in der Schweiz der 1960er Jahre. Die vier Männer trinken zusammen, rauchen, sprechen, spielen Karten, beklagen sich über Heimweh, das Schweizer Essen, das schlechte Wetter, etc. Die Filme sind bewusst nicht synchronisiert, sie sollen, auch wenn man die Sprache nicht versteht, das Heimwehgefühl emotional übertragen.